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Zugang zum Arbeitsmarkt, Arbeitslosigkeit und Sprachkompetenzen

Dauer
01.2013 - 12.2014
Stichworte
Kompetenzen, Ungleichheiten, Institutionen, Migration, Politik
Beschreibung

In Zusammenarbeit mit der Universität Lausanne UNIL

Die heutige Arbeitswelt wird durch eine globalisierte Wirtschaft, zunehmende Migration und Mobilität geprägt. Mehrsprachige Praktiken werden in diesem neuen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und technologischen Umfeld immer wichtiger und stellen eine zusätzliche Herausforderung an die Arbeitskräfte dar. Der Zusammenhang zwischen Sprachzugehörigkeit, Sprachkompetenzen und Zugang zum Arbeitsmarkt ist bisher jedoch kaum erforscht worden. Er ist von zentraler Bedeutung, um herauszufinden, inwiefern und unter welchen Bedingungen welche Sprachen zu einem Kapital werden. In der Schweiz bilden die von den Kantonen betriebenen Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) einen wichtigen Brennpunkt dieser Entwicklung: RAV-Angestellte beraten und kontrollieren Stellensuchende mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen, welche sich bei ArbeitgeberInnen mit vielfältigen sprachlichen Anforderungen um Arbeit bemühen.

In diesem Forschungsprojekt stand die Bedeutung von Sprache, Sprachkompetenzen und Sprachzugehörigkeit im Arbeitsvermittlungsprozess im Zentrum. Ausgehend von einem soziokonstruktivistischen Ansatz haben wir die sprachbezogenen Konzeptionen und Repräsentationen untersucht, welche die institutionellen Diskurse und Praktiken prägen. Zu diesem Zweck konzentrierten wir uns einerseits auf die mit der Arbeitsvermittlung beauftragten Behörden und ihre Wissensproduktion zum Themenbereich Sprache und Arbeitsmarkt. Andererseits haben wir Stellensuchende in Regionalen Arbeitsvermittlungszentren bei ihren Beratungsgesprächen und Arbeitsbemühungen begleitet. Im Zentrum standen folgende Forschungsfragen:

  1. Welche Rolle spielen Sprachkompetenzen und sprachliche Herkunft in den Diskursen und Praktiken der Akteure auf dem Arbeitsmarkt (Arbeitsmarktbehörden, öffentliche PersonalberaterInnen, Stellensuchende etc.)?
  2. Welche Sprachkompetenzen werden für den Zugang zum Arbeitsmarkt geltend gemacht?
  3. Mit welchen Strategien versuchen die verschiedenen Akteure die sprachlichen Ressourcen anzuerkennen und zu unterstützen?
Ziel - Erwartete Resultate

Aus einer Online-Befragung von PersonalberaterInnen in Regionalen Arbeitsvermittlungszentren der ganzen Schweiz und aus einer ethnografischen Forschung in drei RAV im zweisprachigen Kanton Freiburg wird deutlich, dass Sprache sowohl im institutionellen Prozess der RAV als auch für die involvierten Akteure eine wichtige Rolle spielen. Es lassen sich jedoch erhebliche Unterschiede beobachten bei der Verordnung von sprachbezogenen Arbeitsmarktlichen Massnahmen (AMM) und bei der Bewertung der Bedeutung von Sprachkompetenzen für die Employability. Je nach Bildungsniveau, sprachlicher Herkunft und gesuchtem Job der Stellensuchenden und je nach dominierender (Investitions- oder Integrations-)Logik der InstitutionsvertreterInnen werden Sprachkompetenzen anders gewichtet und entsprechend anders gefördert.