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Erfassung von Entwicklungsprofilen im frühen schulischen Fremdsprachen-lernen: Beurteilungsinstrumente als Bindeglied zwischen Standards, Curricula, Unterricht und Lernen

In Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG) und der Scuola universitaria professionale della Svizzera Italiana (SUPSI)

Verantwortung: Prof. Thomas Studer und Peter Lenz (KFM), Prof. Wilfrid Kuster und Prof. Mirjam Egli (PHSG), Gé Stoks (SUPSI/DFA); wissenschaftliche MitarbeiterInnen: Katharina Karges, Anna Kull und Dr. Evelyne Pochon-Berger (KFM), Dr. Thomas Roderer (PHSG), Daniela Kappler (SUPSI/DFA); 2012-2014

Gegenwärtig werden die Sprachenstrategie der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) von 2004 und die HarmoS-Beschlüsse (Bildungsziele) von 2011 in den Schulen in die Praxis umgesetzt. Dazu gehören unter anderem die Einführung einer ersten Fremdsprache (spätestens) in der 5. Klasse (3. Primarklasse nach alter Zählung), die Einführung einer zweiten Fremdsprache (spätestens) in der 7. Klasse sowie die Berücksichtigung und Förderung der sich entwickelnden Mehrsprachigkeit der Schülerinnen und Schüler (SuS). Ein weiterer wichtiger Aspekt der Umsetzung ist die schweizweite Einführung von identischen Grundanforderungen (im Sinne von Minimalstandards bzw. „Grundkompetenzen“), deren Erreichung durch ein Bildungsmonitoring überprüft werden soll.

Vor diesem Hintergrund umfasst das vorliegende Projekt Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in mehreren sich ergänzenden Bereichen:

  • Es werden auf der Grundlage von Theorie, Lernzielbeschreibungen (inkl. HarmoS-Bildungszielen und Curricula), Erfahrungswissen und empirischen Daten zum tatsächlichen Lernen Entwicklungsdimensionen (progress variables, Konstrukte, vgl. Wilson, 2005) erfasst und beschrieben, die in einem Sprachunterricht, der sich an der EDK-Strategie von 2004 orientiert, wichtig sind. Im Vordergrund stehen interaktive und produktive kommunikative Sprachfertigkeiten (Sprechen und Schreiben) und deren „Zubringerkompetenzen“ (z. B. Wortschatzkenntnisse); handlungsorientierte Beurteilung soll dabei mit diagnostischer Beurteilung verbunden werden. Zusätzlich sollen ausgewählte einzelsprachenübergreifende Kompetenzen beschrieben werden, die oft als Aspekte von „Mehrsprachigkeitskompetenz“ genannt werden, insbesondere die Bewusstheit für Sprachen und Kulturen und lernstrategische Kompetenzen; in diesem Zusammenhang wird punktuell auch die lokale Schulsprache einbezogen. Die Beschreibungen der Entwicklungsdimensionen sollen verschiedenen Akteuren, die mit dem Sprachunterricht zu tun haben, insbesondere Unterrichtenden und Lernenden, aber auch Eltern und Bildungsverantwortlichen, als Leitlinie für das Verständnis des Lernweges dienen.
  • Zur Erfassung der relevanten Kompetenzen werden Beurteilungsinstrumente entwickelt, welche möglichst unterrichtsnah sind und von den Unterrichtenden sowie den SuS selbstständig eingesetzt werden können. Aufgrund ihres (im Projekt zu schaffenden) Bezugs zu Entwicklungsdimensionen wird erwartet, dass sie für diagnostische und formative Zwecke geeignet sind, d. h. dass aufgrund der Ergebnisse für den Unterricht relevante Lern-Feedbacks und Lern-Feedforwards gegeben werden können. Da die Beurteilungsinstrumente im Zusammenhang mit verschiedenen Lehrplanszenarien und Lehrwerken einsetzbar sein sollen, sind sie darauf angelegt, Informationen und Orientierungshilfen „mittlerer Korngrösse“ zum Lernverlauf zu generieren.
  • Um die Beurteilungs- und Feedbackinstrumente für den Gebrauch in den Schulen zur Verfügung zu stellen, wird (vorerst als Prototyp) eine Serverumgebung entwickelt, welche eine Nutzung über das Web erlaubt. Zu diesem Zweck wird das System TAO (Testing Assisté par Ordinateur), das in Zukunft in den Schweizer Schulen auch bei anderen Beurteilungsanlässen (PISA, HarmoS-Systemevaluationen) eingesetzt wird, für die Nutzung für formative Zwecke erweitert. Die serverbasierte Beurteilung und Auswertung von Schülerkompetenzen hat unter anderem auch den grossen Vorteil, dass Daten erfasst und ausgewertet werden können, mit denen a) die Instrumente fortlaufend optimiert und b) zunehmend sicherere Erkenntnisse über die Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler gewonnen werden können.